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Am 24. & 25.06. findet der 6. jährliche Workshop unseres Schwerpunkts mit dem Titel „Asyl und Migration. Die Hilfspflichten und Selbstbestimmungsrechte von Nationalstaaten“ statt. Nähere Informationen finden Sie unter Aktuelle Veranstaltungen.


Forschungsschwerpunkt Ethik der Globalisierung

Globale Ethik ist ein relativ junger Zweig der praktischen Philosophie. In diesem Forschungszweig geht es darum, die spezifischen Probleme zu identifizieren, die sich sowohl für die Moralphilosophie wie für die Politische Philosophie aus dem Zusammenwachsen der Staatenwelt ergeben, und dann zu prüfen, inwieweit diese eine Weiterentwicklung der tradierten Theorien erfordern.
Die Besonderheit des Kasseler Forschungsprojekts besteht darin, dass die Probleme nicht nur aus der Perspektive der dominanten angelsächsichen Philosophie, sondern unter Einbeziehung der aktuellen Philosophie des chinesischen und des arabischen Kulturraumes analysiert werden. Die Einbeziehung diesen beiden wichtigen Kulturtraditionen gewährleistet, dass die Analyse nicht ein Diskurs über andere bleibt, sondern zu einem authentischen Gespräch mit diesen wird.

Im Lauf des Projekts haben sich zwei grundlegende Probleme herauskristallisiert:
* Eine Ethik der Globalisierung zielt zuletzt auf eine globale Ethik, d.h. auf die Aufstellung eines Systems von Grundsätzen, die sich gegenüber allen Menschen dieses Planeten rechtfertigen lassen. Dabei reicht es nicht aus, sich auf einen Prinzipienkanon wie etwa den Korpus der weithin anerkannten Menschenrechte zu verständigen, denn diese Rechte sind vage formuliert und in ihrer Bedeutung heftig umstritten. Das führt zu der Frage, inwieweit es möglich ist, den Kanon der Menschenrechte präziser zu fassen. Gibt es ein Muster moralischer Begründung, dass zugleich universal akzeptabel ist und zu hinreichend konkreten Resultaten führt? Und wieweit ist eine solche Konkretisierung überhaupt wünschenswert? Denn so wichtig eine Präzisierung der Menschenrechte als Schutz vor deren machtpolitischer Verdrehung und Instrumentalisierung ist, so groß ist die Gefahr, mit einer Präzisierung den legitimen Interpretationsspielraum lokaler Kulturen zu beschränken.
* Das Zusammenwachsen des Globus zu einer Welt vollzieht sich auf vielen Ebenen gleichzeitig – ökonomisch, politisch, kulturell und informationell. So unüberschaubar dieser Prozess ist, so schwierig ist es zu bestimmen, was zur Verantwortung der jeweiligen Akteure gehört. Welches sind die Pflichten von Staaten, multinationalen Unternehmen oder Institutionen und von Bürgern? Die Beantwortung dieser Frage wird noch dadurch erschwert, dass es mit einer Theorie, die zeigt, was jeder idealerweise zu tun hätte, nicht getan ist. Wir leben in einer Welt, in der die Akteure ihren Pflichten unterschiedlich weit gerecht werden. Wir benötigen deshalb auch eine nicht-ideale Theorie, die klärt, inwiefern eine unvollständige Befolgung der idealen Regeln die Pflichten derer verändert, die ihrer Verantwortung gerecht werden wollen.