Westliche Philosophie

Die „westliche“ Philosophie der Menschenrechte lässt sich im Grunde kaum als ein zusammenhängendes Gedankengebäude darstellen. Im Gegenteil, ihre methodischen Differenzen treten in der Frage nach der transkulturellen bzw. universellen Geltung der Menschenrechte offen zutage. Die einen suchen nach einer transkulturell überzeugenden Begründung der Menschenrechte, indem sie etwa auf anthropologische Grundkonstanten oder allgemeinmenschliche Interessen zurückgeführt werden. Die anderen versuchen die transkulturelle Anschlussfähigkeit der Menschenrechte durch einen Begründungspluralismus zu bewahren und verweisen auf einen sich überlagernden Konsens, der sich vor dem Hintergrund ganz verschiedener Weltanschauungen ergibt. Wieder andere kritisieren die Idee der Menschenrechte (und das ihr eingeschriebene atomistisch-ökonomistische Menschenbild) als ein global wirksames Herrschaftsinstrument. Demnach dienen die Menschenrechte in post-kolonialer Manier dazu, die Selbstbestimmung der dieses Menschenbild nicht teilenden Gemeinschaften einzuschränken und letztlich Gründe zum Intervenieren zu liefern.     

Trotz dieser offensichtlichen Differenzen stimmen eine Reihe neuerer Arbeiten darin überein, dass Menschenrechte bereits als Minimalkriterien globaler Gerechtigkeit oder zumindest als Kernnormen innerhalb der Ethik der internationalen Beziehungen in Geltung sind. Menschenrechte fungieren bereits als normative Leitwährung einer globalen öffentlichen Vernunft. Damit eignen sie sich wie kaum ein anderes Prinzip als Legitimationsstandard von Staaten sowie von globalen Konzernen und Institutionen. Anhand dieser faktischen Geltung der Menschenrechte stellen sich aber die Fragen dringlicher denn je, wie Menschenrechte aus einer nicht-partikularen Perspektive zu rechtfertigen sind, welche kulturellen Besonderheiten sie tolerieren sollten und, damit verbunden, welche inhaltlichen Forderungen sie genau aufstellen.

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